Zum Tode des britischen Blues - und Rockmusikers Spencer Davis

"Der Mann hinter den Kulissen", so betitelt Edo Reents seinen in der FAZ vom 22.10.2020 erschienenen Nachruf auf Spencer Davis. "Zur Etablierung und Polularisierung musikalischer Genres bedarf es entweder eines Originalgenies, das ganz aus eigener Kraft schöpft, oder eines , wie man früher gesagt hätte, Orchesterleiters" fährt Reents fort. Man könnte ergänzen: auch eines Produzenten und / oder Mäzens. Was so für den Jazz sicher gilt (wie auch im Übrigen für die klassische Musik), gilt auch für die Rock - und Bluesmusik. Ohne John Mayall, Alexis Korner oder auch Chris Barber wäre die britische Blues Explosion nicht denkbar gewesen.

Spencer Davis war ursprünglich Lehrer und sprach fließend Deutsch, Französisch und Spanisch. Seine Leidenschaft aber gehörte der Musik, wobei er nie solistisch in den Vordergrund  trat. Aber er konnte immer Talente an sich binden und fördern. So den jungen Steve Winwood , ein Gitarrist und Pianist mit einer unglaublich schwarzen Stimme. Er schuf damit eine Band, die mit Hits wie "Keep on Running", Gimme Some Lovin", "Somebody help me" und "I`m a man" unsterbliche Klassiker der noch jungen Rock Musik schuf, Klassiker, die heute noch jede Ü60 Party zu Schwung verhelfen. Die im Sinne der Musik der 60er Jahre massentauglich waren, jedoch nie das Genre des Blues, dem sie entstammten, ganz verließen. Spencer Davis machte auch "authentische" Blues Platten (wie derjenige Bluesfreund sagen würde, der auf Authentizität wert legt), die aber nie so an Bedeutung gewannen wie seine massentauglichen Hits. Ich selber bin als damals junger Mann auf "Georgia on my Mind" voll abgefahren, der von Steve Winwood wunderbar lyrisch - zart ins Werk gesetzte Ray Charles Hit, mit einer perlend-bluesig - jazzigen Klavierbegleitung , so gelassen und intensiv gespielt (Oscar Peterson läßt grüßen!). Besser als das Original. Steve Winwood verließ Spencer Davis nach 2 Jahren und gründete die Band Traffic und später mt Eric Clapton und Ginger Baker die Band Blind Faith.

Spencer Davis verfügte sich weiter hinter den Kulissen und betreute Bob Marley und Robert Palmer (Unter der Oberaufsicht Chris Blackwells von Island Records) und ging mit anderen Musikern wie Pete York, Chris Farlow , Mytch Rider, Rick Derringer und Brian Auger auf verschiedene Tourneen und veröffentlichte auch ab und an Blues-Alben.

Im Alter von 81 Jahren ist Spencer David Nelson Davies in seiner zweiten Heimat Los Angeles an einer Lungenentzündung gestorben.