"Ratte liebt Warzenschwein"

Eric Clapton - Ein Leben für den Blues

"Ratte liebt Warzenschwein" so überschreibt der Journalist Peter Kemper einen Artikel im FAZ Feuilleton (FAZ, 20.2.2020) zu Ehren von Ginger Baker, in dem er auch seine neue Clapton-Biografie unter dem Titel "Ein Leben für den Blues" ankündigt. Sicher ist eines: Claptons Karriere wäre ohne Ginger Baker (und Jack Bruce) sicher anders verlaufen. Doch Eins nach dem Anderen.

Eric Clapton, als unehelicher Sohn der Patricia Molly Clapton und eines amerikanischen Soldaten geboren, wuchs bei den (liebevollen) Großeltern auf, da sich seine Mutter nicht um ihn kümmern konnte. Eric wuchs in einem Haus mit Musik auf: Seine Großmutter spielte Klavier und Harmonium, sein Onkel Mundharmonika und tat sich als Swing-Tänzer hervor. Der Rock`n Roll Boom der 50ziger Jahre, damals noch als "schwarze Musik" verschrien ("Rock`n Roll ist die Rache des Negers", so wertete die Daily Mail damals den Rock`n Roll) machte Clapton ebenso an, wie Folk Blues Songs, Memphis Slim und Blues z.B. in der Kindermusiksendung Children`s Hour der BBC: Laut Kemper packte ihn der Blues, als er das erste Mal Muddy Waters hörte. Eine Gitarre musste her: es war eine gebrauchte Hoyer, die ihm seine Großeltern schließlich schenkten. Eric war sehr ehrgeizig, leidenschaftlich, wettbewerbsorientiert - er war zeitweise Radsportfahrer- aber auch systematisch-perfektionistisch: er schuf sich das Gitarrenspiel autodidaktisch drauf und überprüfte seine Fortschritte akribisch auf einem Grundig Tonbandgerät. Andererseits war er bewusster Non-Konformist und entwickelte eine Vorliebe für fast vergessene Blues Musiker, von denen Robert Johnson den prägendsten Eindruck auf ihn hinterlies.  In der normalen Schule kaum erfolgreich, schloß er mit 16 Jahren das GCE-Examen mit einem A-Level Abschluß in Kunst ab und konnte auf das Kingston Art College gehen.  Das lockere Künstlerleben gefiel ihm sehr, vor allem, dass er seinen Lehrplan und damit seinen Tagesablauf selbst gestalten konnte. David Bowie, damals unter seinem Namen David Jones ein passabler Blues-Musiker, erinnerte sich:" Du besuchst eine Art School, um Blues-Gitarrist zu werden"

Es dauerte dann eine Weile, ehe Clapton mit den "Roosters" sein erstes kommerzielles Bandprojekt als Gitarrist starten kann. Über Casey Jones & The Engineers kam er schließlich zu den Yardbirds mit Keith Relf am Gesang. Auf dem American Folk & Blues Festival in Croyden, Süd London, organisiert von Lippmann & Rau, hatte Clapton seinen ersten Auftritt als Yardbird.  Die weiteren Stationen sind bekannt: Ab 1965 ist er Leadgitarrist bei den Bluesbreakern von John Mayall und lernt dort neben Anderen auch Jack Bruce kennen. Mit Ginger Baker und Jack Bruce gründet er 1966 das Trio "Cream". 

Das Buch von Peter Kemper beschreibt ausfühlich die Stationen der  Werdung eines Welt Klasse Musikers an der elektrischen Gitarre - der auch über den Kreis von Gitarristen und Blues / Jazz Musik Begeisterten hinaus bekannt wird;  nicht nur bis zur Gründung von "Cream", sondern natürlich weiter über Delaney&Bonnie, Derek & The Dominos bis zum heutigen Crossroads Festival, den diversen Reunion Projekten, Tribute to Ginger Baker oder George Harrison, dem persönlichen Auf - und Ab mit seiner Beziehungen zu Frauen, dem Verlust seines Sohnes, den akustischen Aufnahmen, die ein ganz neues Genre der Pop - und Rockmusik ("Unplugged") begründeten. Ein längeres Kapitel ist Robert Johnson gewidmet. Kemper versucht im Weiteren  durch Nennung vieler Details - ohne  zu langweilen - das Besondere an Clapton`s Persönlichkeit herauszuarbeiten, das, was es ihm ermöglichte, so bahnbrechend für die Musik des 20. und vielleicht auch 21. Jahrhunderts zu sein. 

Auch Anekdoten kommen nicht zu kurz: "Clapton is God", "Slowhand" und anderes wird angesprochen, die dunklen Seiten, seine Drogen - und Alkohol Excesse, seine rassistischen Entgleisungen in Birmigham. Alles in Allem ein kurzweilig geschriebenes Buch, für den Gitarristen genauso lesenswert, wie für andere Musikinteressierte. Sicher, es ist nicht die einzige Clapton Biografie, aber durchaus eine, die sich mit wenig Aufwand liest  (Ferien Lektüre !) und trotzdem den Zugang zum - soll man sagen: Genie ? - eines Eric Clapton vermitteln kann.

Bernd Falke über: Peter Kemper "Eric Clapton - Ein Leben für den Blues", erschienen bei Reclam  jun., 2020

Für den am 14. Juni 1995 verstorbenen irischen Bluesrock-Gitarristen Rory Gallagher gibt es nun, 2019, ein Album mit drei CDs, das seinem gesamten Schaffen einen guten Überblick gewährt: CD1 zeigt seine Arbeit mit Band, CD 2 exzellente Akustikmusik und CD 3, was er live auf die Bühne brachte. Rory, immer sehr authentisch, mit Holzfäller-Hemd, Jeans und Turnschuhen auf der Bühne, sprach mich an, ähnlich gekleidet durch die Welt zu laufen.

Seiner schwer bearbeiteten Fender-Stratocaster-Gitarre entlockte er Töne, die uns Jugendliche damals in Verzücken versetzten. Besonders gefällt mir folgendes Zitat: Jimi Hendrix wurde gefragt, wie man sich als größter Gitarrist der Welt so fühle, worauf er antwortete: " Das weiß ich nicht, da müssen Sie Rory Gallagher fragen." 

Die nun veröffentlichte Werkschau mit drei CDs beinhaltet in CD 1 seine Arbeit mit Band, die wechselte hin und wieder, mal als Trio, dann als Quartett mit Piano, CD 2 zeigt seine wirklich exzellente Arbeit als Akustikgitarrist (Super-Slide-Gitarre) und in Nummer 3 sein Schaffen als Live-Musiker, wo er der Intensität und Länge nach bis an seine Grenzen ging.

Die meisten der Titel sind bisher unveröffentlichte Studio-Outtakes, BBC-Aufnahmen und nicht veröffentlichte Live-Mitschnitte, darunter solche mit Albert King, Lonnie Donegan und Jack Bruce.

Sein Ziel, als gealteter Bluesmusiker weiterhin erfolgreich zu sein, erreichte Rory allerdings nicht. Im Juni 1995 verstarb er nach Komplikationen einer erforderlichen Lebertransplantation in London.

Das Dreier-Album "Blues" ist ein gelungendes Gedenken an den Musiker Rory Gallagher.

Hans Peter MüllerRory Gallagher

Am Sonntag, den 17. 2. 2019 hatten Rolf Habben und ich die Möglichkeit, Studiogäste der Sendung "Sunday Blues" von Knut Benzner bei NDR-Info zu sein.

Da Rolf schon seit Jahren in dieser Sendung eine Kartenverlosung der jeweiligen Blueslawinen initiert hat, kam von Knut Benzner der Vorschlag, zum Anlass der 25. Osnabrücker Blueslawine doch mal persönlich nach Hamburg ins Studio zu kommen.

So haben Rolf und ich uns an diesem Sonntag also auf den Weg gemacht und auf Knuts Bitte hin auch einige CDs mitgenommen, um die Musik der Blues Company, von Miller Anderson und AWEK vorzustellen. 

Das Studio beim NDR ist schon ein bisschen größer und reichhaltiger ausgestattet als wir es von zu Hause bei OS-Radio 104,8 kennen.

Wir hatten im Gespräch mit Knut die Möglichkeit, ein wenig über die Osnabrücker Bluesverstärker zu informieren, von einigen Musikbands der Blueslawinen zu berichten und von allem zu erzählen, was mit der diesjährigen Jubiläumsblueslawine einhergeht.

Und zu einer abschließenden Kartenverlosung kam es natürlich auch noch.

Hans Peter Müller

Jody Williams, geboren am 3. Februar 1935 in Mobile, Alabama als Joseph Leon Williams ist am 1. Dezember 2018 in Munster, Indiana im Alter von 83 Jahren verstorben.

Eher nur den Kennern der Blueszene bekannt, war er in den 1950er/1960er Jahren in Chicago aktiv und über Jahre Gitarrist der Studioband von Chess Records. Sein Name erschien aber nur selten auf den Schallpaltten-Veröffentlichungen, obwohl er immer ein prägnantes Gitarrenspiel einbrachte.

Frustiert verabschiedete er sich dann in den 60er Jahren aus dem Musikgeschäft und arbeitete über drei Jahrzehnte als Ingenieur bei einem Büromaschinenhersteller.

Im neuen Jahrtausend holte er sein geliebtes Saiteninstrument wieder aus dem Gitarrenkoffer hervor und brachte als Rentner bei Evidence im Jahre 2001 mit illustrer Hilfe (Ronnie Baker Brooks, Kenny Smith, Billy Boy Arnold, Sean Costello, Tinsley Ellis, Rusty Zinn u. a.) das Comeback-Album "Return Of A Legend" heraus. 2004 folgte, ebenfalls bei Evidence "You Left Me In The Dark". Auch hier prominente Unterstützer (Billy Flynn, Chris James, Patrick Rynn, Robert Jr. Lockwood, Lonnie Brooks u. a.).

Auch nach Deutschland brachte ihn eine Konzertreise, u. a. am 2. 11. 2002 ins Quasimodo nach Berlin, wo ihn Chris James an der Gitarre, Patrick Rynn am Bass und Willie Hayes am Schlagzeug unterstützten.

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die Studio-Aufnahmen ruhig mal wieder zu Gemüte führen. Sie sind im Handel noch erhältlich.

Hans Peter Müller

Foto von Jody Williams: Dan MachnikJody Williams Photo by Dan Machnik

 

Der britische Gitarrist Chris Spedding ist nun nicht gerade der ausgewiesene Blueser (allerdings werde ich die CD "One Step Ahead Of The Blues" am 5. 12. 2018 in der Sendung "Crossroads" auf OS-Radio 104,8 vorstellen - denn es enthält einige schöne Bluessongs), aber er war immer der gesuchte Session-Gitarrist und hat etliche Rockalben mit seinem versierten Gitarrenspiel veredelt.

Eigene Hits hatte er eher wenige, wie z. B. "Motorbiking" und "Guitar Jambouree".

Das Schöne an den Wiederveröffentlichungen ist, das im Booklet viele Informationen zu den Songs von ihm selbst beigefügt sind. Ein paar CDs, die ich erworben habe, sind: "Enemy Within" (1986/2018), das Live-Album "Friday The 13th" (1981/2018) und "Click Clack" (2005/2017).

Man sollte also ruhig mal einen Blick ins CD-Regal oder den Versandkatalog wagen.

Hans Peter MüllerChris Spedding